Mit dem Datum vom 17. April 1723 gestand Graf Friedrich-Ludwig (gestorben 1728) aus dem weitverzweigten nassauischen Grafenhaus den zwei Glasmachern Eberhard und Wentzel aus dem nassauischen Breitenborn bei Hanau Hüttenrechte im Wald an dem Stockbach auf Ottweiler Bann zu. Die entstehende Siedlung wurde nach ihrem Gründer Friedrichsthal genannt. Eigentümer auf Zeit dieser Hütte und des umliegenden Landes von fast 250 Morgen waren Ludwig Adolph Eberhard (gestorben 1770) und Johann Martin Wentzel (gestorben 1764). Als dritter Beständer (so nannte man diese Eigentümer) trat Martins Bruder Johann Gerhard (gestorben 1763) hinzu. Die Wentzels entstammen einem sehr alten Glasmachergeschlecht. Es war eine kleine Hütte mitten im Wald mit recht dürftiger Umgebung. Ein paar Häuser, eine Quelle, Scheunen für das Vieh, aber immerhin an der Straße und der Tränke für die Pferde gelegen, auf der die Grafen samt Gefolge zwischen Saarbrücken, Neunkirchen, Ottweiler und dem Jagdhaus Erkershöhe hin- und herreisten. Die Hütte bestand nur sieben Jahre und lag gegenüber der heutigen Polizeiwache in Friedrichsthal; später wurden dort Glasmacherhäuser erbaut, die "Schlawerie" oder der "D-Zug" genannt. Dies sind Bezeichnungen, die wir im Allgemeinen erst für Entwicklungen im 19. Jahrhundert benutzen, im Saarland etwa mit dem Begriff der Prämienhäuser für die Bergleute der staatlichen Gruben. Tatsächlich gab es aber schon früher Arbeiter, die ihre Wohnung bei ihrer Arbeit fanden, ähnlich wie Knechte mit ihren Familien in der Landwirtschaft. Seitdem die Hütten wegen ihrer Abhängigkeit von der Wasserkraft feste Standorte hatten, mußte zum Beispiel der Schmelzbetrieb auch in der Nacht besetzt sein. So waren sicher auch bei der um 1593 gegründeten Hütte in Neunkirchen einige "Werkswohnungen" wie wir heute sagen würden. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg 1635 bemühte sich ab 1652 Graf Johann Ludwig, der gerade die Regierung übernommen hatte, um den Wiederaufbau. Das größte Hindernis war der Mangel an Fachkräften in der Region. Im Entwurf eines Einstandsbriefs für Lambert Dippengießer sagte er diesem zu: "dass wir im Willen das Werk wieder aufzurichten und in Gang zu bringen dabey die Meister und Knechte, so darauf künftig bestellet und werken nicht nur allen die bei Berg- und Hüttenwerken gewöhnlichen Privilegien und Freiheiten geben, sondern diese auch nicht fallen unter die Kirchenzucht". Das war im Mai 1652 eine ungewöhnliche Zusage. Erst 1684 gelingt es, die Hütte wieder in Schwung zu bringen, in der Abrechnung des Faktors Simon Lefebur vom 27. März 1686 sind über 50 Arbeiter aufgeführt, für diese Zeit eine große Belegschaft. Die meisten Namen sind französischen oder wallonischen Ursprungs. Beginnend in diesen Jahren wanderten in den kommenden Jahrzehnten viele Wallonen in die Saargegend und in den Hochwald ein. Nach Neunkirchen kamen ab 1680 und dann um 1685 mit einem neuen Pächter, dem aus Arlon stammenden Remacle Joseph Hauzeur, viele Facharbeiter wallonischen Ursprungs, meist Katholiken. Um diese Arbeiter auf die Dauer zu halten, stellte ihnen das gräfliche Rentamt kleine Grundstücke zur Verfügung und es entstand rechts des Sinnerthaler Wegs eine erste Arbeitersiedlung, die später Schlawerie genannt wurde. Auf einer Karte des Geländes (Tractus 25 von Neunkirchen), von der eine Kopie von 1822 erhalten ist, sind noch die sehr kleinen Parzellen zu erkennen. Die aufgeführten Namen sind noch über 100 Jahre nach der Gründung der Siedlung in der Mehrzahl wallonischen Ursprungs: Lieblang-Liblanc, Lehberger-Liberger, Schille-Gillet. Die Becker und Müller waren Familien, die in die frei werdenden Häuser eingezogen waren, als die Vorbesitzer mit den wallonischen Pächtern Hauzeur und Godtbisle in den Hochwald weiter zogen. (Siehe Foto oben links)Woher kam nun der Name Schlawerie? Nach Ansicht mancher alten Neunkircher von Slawen für die man die Nachbarn wegen ihres dunklen Typs, ihrer fremden Eigenarten und ihrem Dialekt hielt. in Wirklichkeit gab es wohl keine slawischen Zuwanderer in unserer Gegend. Aber noch um 1930 nannte man einen braungebrannten Mann mit dunklen Haaren "Walluner". Irgendwann ist wohl aus der Siedlung der Wallonen die Schlawerie geworden. Bemerkenswert ist noch, dass Arbeiter so weit von der Hütte angesiedelt wurden. Grund war wohl eine gewollte Trennung der neuen katholischen Neunkircher vom eigentlichen Dorf. Für die Katholiken unterhielt man eine zeitlang bei der Kohlenscheuer in der Schmelz eine Kirche, welche von einem Pater aus Homburg betreut wurde. Über diese günstigen Wohnmöglichkeiten hinausgab es für die Arbeiter weitere Vergünstigungen. Manche dieser damals festgelegten "Deputate", wie man sie später nannte, blieben bis in unsere Zeit erhalten. So gab es freien oder verbilligten Hausbrand bis um 1960. http://www.hvsn.de/index.php?option=com_content&task=view&id=55&Itemid=0 Werner J. Lichter Lindenstr. 1, 54292 Trier -----Ursprüngliche Nachricht----- Von: trier-roots-bounces@rootsweb.com [mailto:trier-roots-bounces@rootsweb.com]Im Auftrag von W. David Samuelsen Gesendet: Mittwoch, 8. November 2006 08:23 An: Trier-Roots Betreff: [TRIER-ROOTS] Schlaverie at Neunkirchen Can anyone familiar with Neunkirchen, tell me what is Schlaverie? I find lot of references to this place called Schlaverie (Neunkirchen in Kr. Ottweiler - south of St. Wendel, not the one in Kr. Daun) W. David Samuelsen Kabel Deutschland bietet Ihnen Internet, Telefonieren und Fernsehen aus einer Hand. 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Werner, This list is a Enlgish language first. Translation please for benefit of others, including me. W. David Samuelsen, listadmin Werner.Lichter@kabeldeutschland.de wrote: > > Mit dem Datum vom 17. April 1723 gestand Graf Friedrich-Ludwig (gestorben > 1728) aus dem weitverzweigten nassauischen Grafenhaus den zwei Glasmachern > Eberhard und Wentzel aus dem nassauischen Breitenborn bei Hanau Hüttenrechte > im Wald an dem Stockbach auf Ottweiler Bann zu. Die entstehende Siedlung > wurde nach ihrem Gründer Friedrichsthal genannt. Eigentümer auf Zeit dieser > Hütte und des umliegenden Landes von fast 250 Morgen waren Ludwig Adolph > Eberhard (gestorben 1770) und Johann Martin Wentzel (gestorben 1764). Als > dritter Beständer (so nannte man diese Eigentümer) trat Martins Bruder > Johann Gerhard (gestorben 1763) hinzu. Die Wentzels entstammen einem sehr > alten Glasmachergeschlecht. Es war eine kleine Hütte mitten im Wald mit > recht dürftiger Umgebung. Ein paar Häuser, eine Quelle, Scheunen für das > Vieh, aber immerhin an der Straße und der Tränke für die Pferde gelegen, auf > der die Grafen samt Gefolge zwischen Saarbrücken, Neunkirchen, Ottweiler und > dem Jagdhaus Erkershöhe hin- und herreisten. Die Hütte bestand nur sieben > Jahre und lag gegenüber der heutigen Polizeiwache in Friedrichsthal; später > wurden dort Glasmacherhäuser erbaut, die "Schlawerie" oder der "D-Zug" > genannt. > Dies sind Bezeichnungen, die wir im Allgemeinen erst für Entwicklungen im > 19. Jahrhundert benutzen, im Saarland etwa mit dem Begriff der Prämienhäuser > für die Bergleute der staatlichen Gruben. Tatsächlich gab es aber schon > früher Arbeiter, die ihre Wohnung bei ihrer Arbeit fanden, ähnlich wie > Knechte mit ihren Familien in der Landwirtschaft. Seitdem die Hütten wegen > ihrer Abhängigkeit von der Wasserkraft feste Standorte hatten, mußte zum > Beispiel der Schmelzbetrieb auch in der Nacht besetzt sein. So waren sicher > auch bei der um 1593 gegründeten Hütte in Neunkirchen einige > "Werkswohnungen" wie wir heute sagen würden. > Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg 1635 bemühte sich ab 1652 > Graf Johann Ludwig, der gerade die Regierung übernommen hatte, um den > Wiederaufbau. Das größte Hindernis war der Mangel an Fachkräften in der > Region. Im Entwurf eines Einstandsbriefs für Lambert Dippengießer sagte er > diesem zu: "dass wir im Willen das Werk wieder aufzurichten und in Gang zu > bringen dabey die Meister und Knechte, so darauf künftig bestellet und > werken nicht nur allen die bei Berg- und Hüttenwerken gewöhnlichen > Privilegien und Freiheiten geben, sondern diese auch nicht fallen unter die > Kirchenzucht". Das war im Mai 1652 eine ungewöhnliche Zusage. Erst 1684 > gelingt es, die Hütte wieder in Schwung zu bringen, in der Abrechnung des > Faktors Simon Lefebur vom 27. März 1686 sind über 50 Arbeiter aufgeführt, > für diese Zeit eine große Belegschaft. Die meisten Namen sind französischen > oder wallonischen Ursprungs. > Beginnend in diesen Jahren wanderten in den kommenden Jahrzehnten viele > Wallonen in die Saargegend und in den Hochwald ein. Nach Neunkirchen kamen > ab 1680 und dann um 1685 mit einem neuen Pächter, dem aus Arlon stammenden > Remacle Joseph Hauzeur, viele Facharbeiter wallonischen Ursprungs, meist > Katholiken. Um diese Arbeiter auf die Dauer zu halten, stellte ihnen das > gräfliche Rentamt kleine Grundstücke zur Verfügung und es entstand rechts > des Sinnerthaler Wegs eine erste Arbeitersiedlung, die später Schlawerie > genannt wurde. > Auf einer Karte des Geländes (Tractus 25 von Neunkirchen), von der eine > Kopie von 1822 erhalten ist, sind noch die sehr kleinen Parzellen zu > erkennen. Die aufgeführten Namen sind noch über 100 Jahre nach der Gründung > der Siedlung in der Mehrzahl wallonischen Ursprungs: Lieblang-Liblanc, > Lehberger-Liberger, Schille-Gillet. Die Becker und Müller waren Familien, > die in die frei werdenden Häuser eingezogen waren, als die Vorbesitzer mit > den wallonischen Pächtern Hauzeur und Godtbisle in den Hochwald weiter > zogen. (Siehe Foto oben links)Woher kam nun der Name Schlawerie? Nach > Ansicht mancher alten Neunkircher von Slawen für die man die Nachbarn wegen > ihres dunklen Typs, ihrer fremden Eigenarten und ihrem Dialekt hielt. in > Wirklichkeit gab es wohl keine slawischen Zuwanderer in unserer Gegend. Aber > noch um 1930 nannte man einen braungebrannten Mann mit dunklen Haaren > "Walluner". Irgendwann ist wohl aus der Siedlung der Wallonen die Schlawerie > geworden. > Bemerkenswert ist noch, dass Arbeiter so weit von der Hütte angesiedelt > wurden. Grund war wohl eine gewollte Trennung der neuen katholischen > Neunkircher vom eigentlichen Dorf. Für die Katholiken unterhielt man eine > zeitlang bei der Kohlenscheuer in der Schmelz eine Kirche, welche von einem > Pater aus Homburg betreut wurde. > Über diese günstigen Wohnmöglichkeiten hinausgab es für die Arbeiter weitere > Vergünstigungen. Manche dieser damals festgelegten "Deputate", wie man sie > später nannte, blieben bis in unsere Zeit erhalten. So gab es freien oder > verbilligten Hausbrand bis um 1960. > http://www.hvsn.de/index.php?option=com_content&task=view&id=55&Itemid=0 > > > Werner J. Lichter > Lindenstr. 1, 54292 Trier > > -----Ursprüngliche Nachricht----- > Von: trier-roots-bounces@rootsweb.com > [mailto:trier-roots-bounces@rootsweb.com]Im Auftrag von W. David > Samuelsen > Gesendet: Mittwoch, 8. November 2006 08:23 > An: Trier-Roots > Betreff: [TRIER-ROOTS] Schlaverie at Neunkirchen > > > Can anyone familiar with Neunkirchen, tell me what is Schlaverie? > > I find lot of references to this place called Schlaverie (Neunkirchen > in Kr. Ottweiler - south of St. Wendel, not the one in Kr. Daun) > > W. David Samuelsen > > > Kabel Deutschland bietet Ihnen Internet, Telefonieren und Fernsehen aus einer Hand. Informieren Sie sich über unsere Produkte unter > > www.kabeldeutschland.de > > Diese E-Mail und etwaige Anhänge enthalten vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen. Wenn Sie nicht der richtige Adressat sind, benachrichtigen Sie bitte den Absender und vernichten Sie anschließend diese Mail und die Anlagen. > > > > ------------------------------- > To unsubscribe from the list, please send an email to TRIER-ROOTS-request@rootsweb.com with the word 'unsubscribe' without the quotes in the subject and the body of the message > >